Regattasport - Die aktuelle Ausgabe

Ausgabe 2: 6. INTERNATIONALE VEREINSMEISTERSCHAFT IM KANUSEGELN

(V.i.S.d.P: Per Yuen , Textbeiträge: Per Yuen, Dr. Stefan Müller; Koos Winnips, Bilder: Dr. Iris Krimmel, Per Yuen) Ausgabe als PDF Download

Können Holländer fliegen?

Offenkundig ja! Zumindest, wenn einem der Ruf vorauseilt, noch vor dem Laufen das Segeln gelernt zu haben. Sowohl prophezeit, wie auch von einigen Mitbewerbern befürchtet, hat sich Koos Winnips aus den Niederlanden den „Hauptgewinn“ souverän erkämpft. Neben viel innovativer Technik war es vor allem seglerisches Können. Höhepunkte des Rennens waren die vielfältigen Bootstypen und Riggs, mit denen die Kombattanten an den Start gingen. Hervorzuheben sind die äußerst seetauglichen Konstruktionen des „Dresdener Ensembles“ die mittlerweile unter „Faltbootsegel 3.0“ einen kleinen, aber feinen Online-Shop für Segelzubehör und Umrüstungskits betreiben.

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Sonderausgabe: Regattasport International

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Ausgabe 1 / 2016: Regattasport - Unser Revier

(V.i.S.d.P: Per Yuen , Textbeiträge: Per Yuen.  Bilder: Per Yuen, Xiaoyan Liu) Ausgabe als PDF Download

Unser Revier

„Also, wenn ihr etwas von uns wollt, müsst ihr euch aber auch mehr in die Verbandsarbeit einbringen. Wo sind eigentlich eure Fahrtenbücher? Wieso reicht ihr die nie ein? Seid ihr zu faul dazu? …..“, so die Kritik des Wanderwartes des Landeskanuverbandes. Behördliche Pläne zu Beginn der 1980er Jahre zur Begradigung von Abschnitten der Wümme haben die „Hanseaten“ hochgeschreckt und den Schulterschluss mit anderen Paddlern suchen lassen.

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Ausgabe 4: Internationales Segelcriterium

(V.i.S.d.P: Per Yuen , Textbeiträge: Per Yuen, Dr. Stefan Müller; Bilder: Dr. Iris Krimmel, Per Yuen) Ausgabe als PDF Download

Vorsprung durch Technik?

„Der Schiffsverkehr zwischen Bremerhaven und Helgoland wird aufgrund der Wetterbedingungen bis einschließlich Sonntag eingestellt….“, so die Verkehrshinweise im Radio. Während noch am Vorabend des diesjährigen Wettkampfes die Segeleigenschaften der Boote und die technischen Modifikationen  herausgestrichen wurden, tat sich am folgenden Tag ein ganz anderes Bild auf. Südwestliche Winde Stärke 5 – 6  Bft.. In Böen 7 Bft. prägten das diesjährige Segelkriterium. Bislang hatten die Segler nur mit leicht umlaufenden Winden zu kämpfen, was letztlich zu einer gnadenlosen Vergrößerung der Segelflächen  führte.  

Schon bei den ersten Übungsschlägen zeigt sich der Unisee von seiner weniger freundlichen Seite. Während in der Abdeckung nahe der Umtragestelle alles ruhig und harmlos wirkt, sieht es schon einige hundert Meter weiter ganz anders aus.  Diesmal startet Stefan Müller, einer der Favoriten des Wettbewerbs, mit seinem Boot zu den ersten Probeschlägen. Eine plötzlich einkommende Böe reißt das Boot um. Allerdings gelingt es ihm wieder in das vollgeschlagene Boot einzusteigen und lenzend zum Ufer zu paddeln. Unter diesem Eindruck entsteht am Ufer eine hektische Emsigkeit unter den Segler. Es kann beobachtet werden, dass die meisten Segler die Segelflächen umgehend und rigoros verkleinern.

Kentern geht ganz leicht,

Verinsmeister der Vorjahre: Dr. Müller
aber wie komme ich wieder in das Boot ...

von Dr. Stefan Müller, Bremen

Das Segelcriterium 2015 geht als sehr windreiche Regatta in die Annalen des KCH ein. Bei Vorhersagen des DWD für die Deutsche Bucht  SW 6-7 Bft in Böen 8 Bft. kamen glücklicherweise am Unisee nur 5-6 Bft., in Böen vielleicht auch etwas mehr, an. Vor der Regattabesprechung vor Ort gab es noch Schauerböen mit Extremregen, sodass die andere Uferseite nicht mehr gesehen werden konnte. Bei Butterfahrten geht normalerweise bei Außersichtkommen von Land der Zollfreie Einkauf los. Unter  normalen Umständen würde man bei dem Wetter keinen Fuß vor die Tür setzten. Nun wussten aber immerhin alle bescheid was auf sie zukommen würde.

Da dies ja immerhin eine Regatta ist, hatte ich mich entschlossen mit großem Rigg (35 sq. ft) ungerefft an den Start zu gehen. Motto: Wer refft hat Angst! Gesagt getan und dann auch zügig über Kopf gegangen. In einer der zahlreichen Böen noch vor dem Start, hat es mich dann erwischt. Das Boot luvt in der Bö unwahrscheinlich stark an und nimmt dann auch schnell Wasser über die Seite über. Damit war mein Schicksal besiegelt. Aber ich hatte den Wiedereinstieg immer mal wieder trainiert und das sollte sich nun auszahlen. Zunächst habe ich das komplette Rigg mit Segel gezogen und einfach – an einer Strippe befestigt – neben dem Boot treiben lassen. Dann auf den Süllrand setzen und sich nach hinten werfen – Boot schamm nun mit mir darin- aber ist vollgelaufen. Nun heißt es schöpfen. Da ich recht viele Auftriebskörper im Boot verteilt habe geht das relativ flott. Dann kann ich das Rigg wieder einsammeln und zum Strand paddeln und alles wieder – diesmal stark gerefft - aufbauen.

Alles kein Drama man muss nur wissen und auch üben wie es geht. Da wohl einige die Kenterung beobachtet hatten, wurde nun überall  hektisch gerefft. Auch der Start musste hierdurch ¼ Stunde nach hinten verschoben werden.

Dr. Müller richtet sein Boot wieder auf

Tschuppi, mit seinem Faltboot unterwegs,

Tschuppi rettet sich an den Strand

 

ging wahrscheinlich zeitgleich in der gleichen Böe über Kopf. Er hatte Glück und konnte sich ohne Wiedereinstieg an den Strand retten. Während der Regatta waren keine weiteren  Kenterungen zu verzeichnen. Udo und Koos sind aber nach der Regatta beim Segeln noch  über Kopf gegangen, auch diese Kenterungen spielten sich in Strandnähe ab.

Fazit: Kentern ist nicht schlimm und bei einer Regatta ohne Gepäck auch kein Drama. Man sollte sich jedoch im Vorfeld überlegt haben wie man wieder in das Boot kommt und das auch trainiert haben. Ein vollgeschlagenes Boot auch nur 50 m schwimmend hinter sich her schleppen ist sehr Kräfte zehrend und dauert auch ewig. Auch das Tragen eines Neopren-Anzugs und einer Schwimmweste ist  bei dem Projekt „Wiedereinstieg“ förderlich.

Die Teilnehmer

Neben den wackeren Kanuseglern des Kanu-Club „Hanseat“, haben sich diesjährig Teilnehmer aus der Schweiz, den U.S.A., aus Mecklenburg-Vorpommern und Dresden angemeldet.

Als Beobachter gesellte sich noch der „Mottensegler“ Koos Winnips aus den Niederlanden dazu. Bleibt abzuwarten, wann sich die rasanten Tragflügelkonstruktionen auch bei den Kanuseglern einfinden werden.   Erstmalig nehmen Angelika Leipold und Andrea Ehrenfried als  reines Frauenboot am Rennen teil.

Raffen oder Reffen?

Raffen oder Reffen sind Begriffe, die sich im etymologischen Sinne auf ein Verkürzen eines Stückes Stoffs beziehen. Chauvinistisch-scherzhafte Gedanken über gereffte oder geraffte Gardinen und Röcke geben allerlei Anlass zu Wortspielereien, die in diesem höchst sportlichen Kontext natürlich nicht weiter erörtert werden können.

Präsidentin Ehrenfried präsentiert ein stark gerefftes Segel (Foto: Per Yuen)

Traditionskandier in neuem Dacron-Kleid

Auch am Start: Das „Goens-Team“ (immerhin Sieger in der einzigen  Bootsklasse, in der sämtliche Teilnehmer den gleichen Familiennamen führen!).

Mit einem neuartigem Hochsegel von rd 9 qm. (!). sollte das gute Ergebnis aus dem Vorjahr verbessert werden. Ein geplotterter Segelriß wurde in einem neuartigen Verfahren zu einem Segel verklebt. Aufgrund der Geräusche, die das Segel von sich gab und auch wegen der Steifigkeit sprach man dann nur noch vom „Blech“.

Das U.S. Team mit Walter Nordhausen startete mit einem klassischen Grumman Alu-Canadier, der mit kameradschaftlicher Hilfe von Stefan Müller mit einem passenden Segel versehen wurde.

Obgleich noch am Vorabend als viel zu klein bemäkelt, bewies das geliehene Segel seine Sturmfestigkeit beim Rennen. Die seit nunmehr 2007 abgelaufene Immatrikulationsnummer der kalifornischen Schifffahrtsbehörden auf dem Kanu hatte jedoch keinen Einfluss auf die Start- und Seetauglichkeit des Bootes beim diesjährigen Segelcriterium.

 

Die Favoriten und Sieger

Im Rückgriff auf die Veranstaltungen in den letzten Jahren, versuchte Axel Schmidt mit einer schmaleren Neukonstruktion die Erfolge der letzten Jahre zu übertrumpfen.

Statt schmalerer Konstruktionen beschritten die innovativen Segler und Tüftler aus dem Osten unserer Republik hingegen  einen  anderen Weg. Mehrrumpfkonstruktion mit Auslegern sorgten für eine größere Segelfläche bei gleichzeitig hoher Anfangsstabilität und Geschwindigkeit.

Nur wenige Meter vor dem Ziel wurde Axel Schmid kurz vorm Passieren der Ziellinie von einem Segler des „Dresdner Ensembles“ überholt. Wenngleich mit einem Reff gefahren, konnte Axel Schmidt seine führende Position lange halten. Sah es doch so aus, dass der „Hauptgewinn wieder in die Schweiz geht! In einem unachtsamen Augenblick wurde Axel Schmidt kurz vor dem Ziel ausmanövriert und gelangte nur noch als Zweiter ins Ziel. Mit seinem Bufflehead Canoe aus dem Vorjahr hätte er sicher mehr Segelfläche ins Rennen bringen können!

Spannendes Kopf an Kopf rennen kurz vorm Ziel

Die Auslegerkonstruktion mit  zwei Masten sorgten bei hoher Stabilität und niedrigem Segelschwerpunkt für Tempo, gegen die die schmale und wenngleich schnelle „Artemis keine mehr Chance hatte.

Faltboot mit Ausleger in rauschender Fahrt

Verpasste Chance

Angelo Rachows High-Speed Trimaran

Obgleich mit dem wohl schnellsten Boot, konnte Angelo Rachow aus Mc.Pomm nicht den ihn gebührenden Titel einfahren. Bei seinen Probeschlägern überhörte er schlichtweg das Startsignal.

Aus seinen Erfahrungen aus dem Vorjahr rüstete Angelo einen Zweier-Kayak um („Länge läuft!) und versah ihn mit Auslegern und einem gewaltigen Lateinersegel.

Je nach Windrichtung und Windstärke konnten die unterschiedlich vertretenen Bootstypen beim Internationalen Segelcriterium ihre Stärken im Wettkampf ausspielen.

Beim letztjährigen Segelkriterium konnten die traditionellen Boot mit ihren guten Vormwind-Eigenschaften bessere Plätze in der Wertung erreichen, weil durch die damals vorherrschenden nordwestlichen Winde nur eine Amwind-Strecke absolviert werden musste. Diesmal wehten jedoch starke Winde aus Südwest. Es waren zwei Amwind-Strecken zu absolvieren. Boote mit hohen Stabilitätsreserven und guten Amwind-Eigenschaften entschieden daher das diesjährige Rennen für sich.

Obgleich mit großer Umsicht gesegelt, konnten die traditionellen Boote in diesem Jahr nur die mittleren und hinteren Plätze in der Wertung erreichen

Trotz Reff, das „Vierteltonner-Team“ im luggergetakelten Traditionsboot bei guter Fahrt vorm Wind